New Work goes Mittelstand

Beim vitra. by storeR steht das R für Ruhrgebiet. Olaf Bremer und sein Team kümmern sich seit 20 Jahren um maßgeschneiderte Raumlösungen auf dem Weg zur agilen Organisation und um "new work" Konzepte mit flexiblen "open space" Büros. Am 10.10. 2019 stellte Bremer die Möglichkeiten am Westfalendam für das Netzwerk mittelstand-rhein-ruhr.de vor.

Agile Prozesse und Wohlfühlambiente durch intelligente Raumlösungen

Konventionelle Büros eignen sich kaum für agile Arbeitsprozesse, die auch in KMU beim Wandel von der Industriegesellschaft zur Wissensgesellschaft erforderlich sind. Auf der einen Seite beflügeln die Möglichkeiten der Digitalisierung die Arbeitsplatzgestaltung, auf der anderen Seite sind "work life balance" und "Wohlfühlatmosphere" bei zukünftigen Arbeitnehmern entscheidende Argumente für ihre Arbeitsplatzwahl.

Bei der Frage nach dem Zweck eines Büros oder home office Lösungen hat das Büro als Hort der Kommunikation, Identifikation  und Selbstverwirklichung wieder stärker an Bedeutung gewonnen. Das sogenannte Flur- oder Kantinengespräch ist der remote Lösung beim informellen und persönlichen Gedankenaustausch einfach überlegen.

Treiber und Entwicklungsmöglichkeiten

An den Universitäten finden die Studierenden auf dem Campus und in ihrer Community eine geistige und räumliche Heimat. So ist es auch bei Unternehmen, die z.B. im Silicon Valley gerade die lokale Bindung überflüssig machen wollten, aber die Kommunikation braucht das persönliche Gespräch in Gemeinschaftsbereichen.

Der "garage spirit" ist synonym für die startup Kultur insgesamt. Es geht im die ständige Innovation, deshalb stellt google seine Mitarbeiter mit 20% ihrer Arbeitszeit für Projekte frei, die nichts mit ihrer normalen Arbeit zu tun hat. In den USA haben Projekte auch die Erlaubnis zum Scheitern. In Deutschland etablieren sich Fuckup Nights, bei denen auch über das Scheitern und den jeweiligen Erfahrungen (learnings) gesprochen wird, erst langsam.

Human Core stellt den Menschen in den Mittelpunkt. Kreativität und Innovationen entstehen dann, wenn die Mitarbeiter sich wohlfühlen. Diese andere Wertewelt der Generation Y und Z prägt auch zukünftige Geschäftsmodelle.
Das Thema Nachhaltigkeit und die Einbeziehung der Mitarbeiter bei der Bürogestaltung kann soweit gehen, das Unternehmen im Büro Sportmöglichkeiten anbietet, zumindest aber verschiedene "Settings" mit unterschiedlichen Licht-, Geräusch und Klimabedingungen anbietet.

Zu den Herausforderungen bei "open Space" Angeboten kommt oft eine Abwehrhaltung auf, die die Arbeitsplätze mit Großraumbüros gleichsetzt.

Mit zunehmender Transversalität, werden Räume ganz unterschiedlich und flexibel genutzt. Als Beispiel nennt Bremer das Konzept des Motel one, das auf einem Raum morgens ein Frühstück anbietet, mittags einen workspace und abends zur Chill out Lobby wird.
Die gestalterischen Mittel hierzu sind z.B. Schränke auf Rollen, flexible Trennwände oder höhenverstellbare Tische.

Die Sharing Economy  teilt nicht nur Autos, sondern auch Büroräumlichkeiten. Das Silodenken "mein Tisch", "mein Stuhl", "mein Parkplatz" ist nicht mehr zeitgemäß - 61% der Arbeitszeit stehen Arbeitsplätze leer. Die Co working spaces  erlauben Agilität und bieten kommunikativen Austausch.

Aus Brenners Sicht stellt der reale Ort einen wichtigen Gegenpol zur Digitalisierung dar, weil Menschen sich mit Orten identifizieren. Er postuliert aber auch, dass die IT-technischen Entwicklungen der KI und der barrierefreien Vernetzung über alle Devices,  die neunen Trends überhaupt erst ermöglichen.

Social Recruituing ist ein weiterer Treiber in der Mitarbeitergewinnung und -bindung.  Studenten und Mitarbeiter des Campus Symposiums Iserlohn bestätigen Bremer in seiner These und machen deutlich, dass die Qualität des Arbeitsplatzes mit dem obligatorischen Kickertisch, Couch-Sitzgelegenheiten und einer gut gefüllten After-work Bar für sie wichtig ist.

Brenner sieht den perfekten Arbeitplatz als Collage von Themen, Arbeitsstilen, Werten, Räumen und Produkten.

Kontroverse Aspekte in lebhafter Diskussion

Der Vorwurf einer langweiligen, innovationslosen und zu gradlinigen Produktgestaltung wurde mit dem Hinweis auf kundenspezifische Gestaltungsanforderungen und dem Ruf der Innovationsführerschaft begegnet. Andere Teilnehmer lobten die "Dancing Wall" einen mehrfunktionalen Raumteiler.

Der kostensparende Transfer zwischen vorhandener Raumgestaltung und neuen Elementen hat unerwartet positive Auswirkungen auf die Arbeitgeberattraktivität ohne sofort alles "auf links" ziehen zu müssen.

Weiterhin sind nicht nur die beabsichtigten Freiheiten für die Mitarbeiter, sondern auch Arbeitsschutzgesetze und Anforderungen von Betriebsräten zu berücksichtigen.

Fazit:

Ein Besuch bei vitra. by storeR lohnt sich, um sich selbst ein Bild der Möbel und Gestaltungsoptionen zu machen.

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