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Sportpsychologe Prof. Dr. Hans Dieter Hermann
ist Führungskräfte Coach und betreut seit 2004 als Teampsychologe die deutsche Fußballnationalmannschaft.


In der VFL-Lounge, sprach er auf dem 7. VFL Netzwerk-Erlebnis am 09.05.2019 über Analogien von Spitzensport und beruflicher Leistungsfähigkeit.

Erfolg zu haben, bedeutet Vorleistungen zu übertreffen.

Wie in der Wirtschaft gibt es auch im Sport "Key Performance Indicators". Die KPI, die im Fußball zeigt, dass die Welt schneller geworden ist, ist die Verweildauer des Balles am Fuß. Im Jahr 2008 lag sie noch bei 2,9 Sekunden - 2014 lag sie nur noch bei 0,9 Sekunden. Ähnlich ist der Run darum die Geschäftszahlen und Leistungsindizes der Vorjahre zu übertreffen. 

Die Unterordnung der eigenen Interessen unter die Teaminteressen
ist der zentrale Erfolgsfaktor!

Als Beispiel sprach Hermann über das Vorrundenausscheiden bei der letzten WM: Löw  gab sich die Schuld, Veränderungen in der Mannschaft zu spät durchgesetzt zu haben, er wollte ein gutes System besser machen. Hermann sieht das Versagen als Teamproblem: Es ist nicht gelungen, aus 3 Mannschaften ein Team zu formen.

Erfolg setzt Motivation und ambitionierte Ziele voraus. (Mache ich es gern'?)
Niemand wird ohne Motivation im Verdrängungswettbewerb bestehen: Hermann erzählt von einem 400 Meter Läufer, der ihm sagte er habe ein Problem, er wisse einfach nicht, warum er sich wie irrsinnig anstrengen solle, um wieder an einen Punkt zu kommen, an dem er zuvor schon sei.
Eine Voraussetzung für Motivation ist das Selbstwertgefühl.(Das, was ich tue, ist richtig.)
In diesem Zusammenhang weist er auf weitere Motivationsvoraussetzungen analog zur Bedürfnispyramide nach Maslow hin und fasst zusammen: Erst nach dem Fressen kommt die Moral.

Er gibt den Tipp:"Reden Sie mit sich selbst so, dass es Ihnen hilft. Der Skispinger Manfred Pranger wurde zwar belächelt, hatte aber Erfolg.

Unsere Sprache formt unser Denken. Wenn wir von einem Angstgegner sprechen, impliziert das quasi "Gegen den haben wir noch nie gewonnen, das klappt sowieso nicht". 
Wie würden wir uns wohl fühlen, wenn der Chirurg bei einsetzender Betäubung noch mit den Worten zu hören ist:
"Heute habe ich gar kein gutes Gefühl, wieder die dritte OP - bei der dritten OP geht immer alles schief..."

Die Welt entsteht im Kopf: Die subjektive Konstruktion basiert auf Erfahrung.
Empfinden wir bei einer Sache Freude oder Bedrohung?
Bedrohungen lösen Vermeidungsstrategien aus, in der Angst zu versagen werden Begrenzungs- und Haltestrategien gefahren. Freude hingegen führt dazu Herausforderungen anzunehmen und sich selbst anspruchsvolle Ziele zu setzen.

Keiner gewinnt alleine!

Die nachfolgende Übersicht zeigt 2 Statistiken und offenbart einen sogenannten "Rückschaufehler". So ist nicht wirklich die Passquote oder das Flanken an sich entscheidend, sondern, ob da gerade ein Mitspieler stand, der den Ball dann auch ins Tor bringen konnte.

Unterstützungskultur

Manche im Büroalltag verantworten lieber einen Fehler, anstatt "blöd" einen Kollegen zu fragen. Watsons Tackle ist legendär, dafür, wie Benjamin Watson beim Football aus der Verteidigerposition den weitesten Weg, vorbei an allen Mitspielern in Kauf nimmt, um den Touch Down der gegnerischen Mannschaft zu verhindern. Es war nicht sein Job, aber er weiß was notwendig ist, um den Gegner zu stoppen - also gleicht er die Schwächen seiner Teamkollegen aus und sein Team macht den Punkt.

Vertrauen

Vertrauen reduziert Komplexität (Niklas Luhmann, Deutscher Soziologe 1927-1998).
Es sind die Softskills, die die Besten zu den Allerbesten machen, so Prof. Hermann.

Egoisten machen Vertrauen kaputt!

80 % aller Probanden entschieden sich dagegen 50 Euro geschenkt zu bekommen.
Folgende Versuchssituation: In einem Flugzeug hält ein Fluggast zwei andern Fluggästen 1.000 Dollar in 50 Dollar Noten hin.
Er sagt, dass er ihnen das Geld schenkt, wenn sie sich über die Aufteilung einigen.
Der erste (eingeweihte) Fluggast sagt:"Ok, Ich nehme 950 Dollar!"
Die Probanden, denen jetzt noch der 50 Dollar Schein hätte gehören können, lehnten ab, weil sie es als ungerecht empfunden hätten, 950 Dollar an den Egoisten zu geben.

Fazit:

Die Erfolgskriterien in der VUKA World (VUKA = Volatil, Unsicher, Komplex, Ambiguitiv, d.h. mehrdeutig) sind:

1. Motivierendes Sozialklima,
2.  Vertrauen und
3. Dranbleiben

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